Gedankenkarussell stoppen: Wie das Aufschreiben dir innere Ruhe schenkt
Der Abend liegt still vor dir. Aber deine Gedanken sind es nicht.
Sie kreisen. Wiederholen sich. Werden lauter, wenn du eigentlich zur Ruhe kommen willst.
Die To-do-Liste für morgen. Das Gespräch von gestern. Die Entscheidung, die noch aussteht.
Du kennst dieses Gedankenkarussell wahrscheinlich gut. Dieses Gefühl, wenn der Kopf einfach nicht leiser werden will – obwohl du es dir so sehr wünschst.
Was, wenn es einen Weg gäbe, dieses Karussell sanft anzuhalten? Nicht durch Kontrolle oder Kampf. Sondern durch etwas so Einfaches wie das Aufschreiben deiner Gedanken.
Nicht als Technik zur Selbstoptimierung. Sondern als Freiraum, der dich zurück zu dir bringt.
Was unser Gedankenkarussell mit uns macht
Bevor wir über das Schreiben sprechen: Vielleicht kennst du ja dieses Gefühl?
Deine Gedanken drehen sich im Kreis. Immer wieder die gleichen Sorgen, Grübeleien, Erinnerungen oder Planungen. Ein Gedanke greift den nächsten, und plötzlich ist eine Stunde vergangen – während du immer noch beim selben Thema bist.
Diese kreisenden Gedanken sind mehr als nur lästig:
- Sie rauben dir Energie, weil dein Gehirn ständig auf Hochtouren läuft
- Sie nehmen dir den Schlaf, weil sie gerade abends besonders aktiv sind
- Sie entfernen dich vom Moment, weil du mehr in deinem Kopf als im Jetzt bist
- Sie verstärken Stress und Anspannung, statt sie zu lösen
Vielleicht hast du schon verschiedene Dinge versucht: Meditation. Ablenkung. Tief durchatmen. Aber manchmal reicht das nicht.
Der Grund: Diese Gedanken wollen gesehen werden. Sie wollen raus aus dem Kreis. Und genau hier kommt das Schreiben ins Spiel.
Warum Aufschreiben das Gedankenkarussell sanft anhält
Das Aufschreiben von kreisenden Gedanken ist keine neue Erfindung. Menschen haben seit Jahrhunderten Tagebücher geführt, Briefe geschrieben oder Notizen gemacht, um Klarheit zu finden.
Aber warum funktioniert es?
Wenn du einen Gedanken aufschreibst, passieren drei entscheidende Dinge:
- Du gibst ihm Raum – statt ihn wegzudrücken, erlaubst du ihm, da zu sein.
- Du bringst ihn nach außen – vom Inneren auf das Papier, wo er greifbarer wird.
- Du schaffst Distanz – plötzlich siehst du den Gedanken, statt nur in ihm zu sein.
Es ist ein bisschen, als würdest du einen Raum aufräumen, in dem alles durcheinander liegt. Du nimmst jedes Stück in die Hand, schaust es an und entscheidest dann, wo es hingehört.
Manchmal reicht schon ein einziger Satz, um diesen Prozess zu beginnen.
Die Forschung zeigt übrigens: Schreiben aktiviert andere Gehirnbereiche als reines Denken. Es verlangsamt den Prozess und bringt dich vom reaktiven ins reflektierende Denken. Genau das hilft, den Kopf freizubekommen und das Gedankenkarussell zu unterbrechen.
Aber das Beste daran ist: Du brauchst keine komplizierte Technik. Kein System. Keine Anleitung. Du darfst einfach anfangen – genau dort, wo du gerade bist.
Drei sanfte Wege, um mit dem Aufschreiben zu beginnen
Du brauchst keine komplizierte Methode, um mit dem Aufschreiben zu beginnen. Oft reicht ein einfacher Einstieg, um das Gedankenkarussell zu verlangsamen.
Hier sind drei Möglichkeiten, die besonders bei kreisenden Gedanken helfen können:
1. Der „Alles auf einen Zettel“-Weg
Eine meiner liebsten Methoden, wenn die Gedanken nicht aufhören wollen zu kreisen:
- Nimm einen einfachen Zettel (kein schönes Notizbuch, kein besonderes Papier)
- Schreibe oben: „Was gerade durch meinen Kopf geht“
- Schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt – ohne Ordnung, ohne Filter
- To-dos, Sorgen, Erinnerungsfetzen, Einkaufslisten – alles darf auf diesen einen Zettel
- Wenn du fertig bist, atme tief durch und lies den Zettel noch einmal
- Entscheide dann: aufheben oder zerreißen
Manchmal reicht schon dieser eine Zettel, um das Gefühl zu haben: „Es ist nicht mehr nur in meinem Kopf.“
2. Die Dialog-Methode – sanfter als du denkst
Wenn ein bestimmter Gedanke immer wiederkehrt, probiere diesen kleinen Dialog:
- Schreibe den Gedanken auf, der dich nicht loslässt
- Schreibe darunter, als würdest du mit diesem Gedanken sprechen: „Ich höre dich. Was brauchst du von mir?“
- Und dann antworte dir selbst aus der Perspektive dieses Gedankens
- Lass diesen kleinen Dialog fließen – ganz ohne Regeln
Es kann sich erst ungewohnt anfühlen. Aber oft führt genau dieser einfache Dialog zu überraschenden Einsichten.
Manchmal zeigt sich, dass hinter einem kreisenden Gedanken eine Sorge steht, die gesehen werden will. Oder ein Bedürfnis, das du übersehen hast. Oder eine kleine Stimme, die dir etwas mitteilen möchte.
Du musst nichts analysieren. Nichts verstehen. Nichts lösen. Nur zuhören und aufschreiben.
3. Die Fünf-Minuten-Pause mit Stift
Wenn das Gedankenkarussell dich mitten im Alltag erwischt:
- Nimm dir bewusst eine 5-Minuten-Pause (stelle einen Timer)
- Schreibe oben auf ein Blatt: „Gerade ist da…“
- Schreibe drei Minuten lang, ohne den Stift abzusetzen
- Wenn dir nichts einfällt, schreibe: „Mir fällt gerade nichts ein, aber ich schreibe weiter…“
- Nach drei Minuten: einmal tief durchatmen
Diese kleine Schreibpause ist wie ein Reset-Knopf für deinen Kopf – und passt selbst in den vollsten Tag.
Es geht nicht darum, dass du ein Problem löst. Sondern darum, dass du für einen Moment aus dem Gedankenkarussell aussteigst. Einfach, indem du es mit Worten festhältst.
Warum das Schreiben bei Gedankenkarussells anders wirkt als andere Methoden
Vielleicht fragst du dich, warum das Aufschreiben manchmal besser funktioniert als andere Wege, um zur Ruhe zu kommen. Der Grund liegt in der besonderen Verbindung zwischen Hand, Papier und Gedanken:
- Es verlangsamt: Schreiben ist langsamer als Denken – und bremst dadurch das Karussell
- Es konkretisiert: Vage Sorgen bekommen Gestalt und werden greifbarer
- Es verbindet: Deine Hand, dein Auge, dein Gehirn – alles arbeitet zusammen
- Es bleibt bei dir: Anders als beim Gespräch behältst du die Kontrolle
Das Besondere am Schreiben ist: Du musst es niemandem zeigen. Du musst es nicht einmal aufheben. Es ist vollkommen deins – und genau das macht es so kraftvoll.
Im Vergleich zur Meditation braucht Schreiben nicht die gleiche Übung oder Konzentration. Im Gegensatz zu Gesprächen mit anderen muss nichts „gesellschaftsfähig“ formuliert werden. Und anders als beim reinen Nachdenken gibt es eine physische Komponente – der Stift auf dem Papier, die Bewegung deiner Hand.
Es ist einfach. Direkt. Und genau deshalb so wirksam, um den Kopf freizubekommen und kreisende Gedanken zu unterbrechen.
💡 Mein Cozy Tipp: Wenn die Gedanken zu belastend sind
Manchmal sind die kreisenden Gedanken nicht nur lästig, sondern wirklich belastend. Bei tieferen emotionalen Themen oder anhaltenden Sorgen kann das Schreiben ein erster Schritt sein – aber nicht der einzige.
Sei liebevoll mit dir. Manchmal braucht es auch ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen oder professionelle Unterstützung. Das Schreiben ist ein Werkzeug – aber du entscheidest, wann und wie du es nutzt.
Vielleicht möchtest du es heute probieren…
Wenn du heute Abend merkst, dass die Gedanken wieder kreisen…
Nimm dir einen einfachen Zettel. Einen Stift, der gut schreibt. Vielleicht eine Tasse Tee dazu.
Und dann schreib einfach oben: „Was gerade durch meinen Kopf geht.“
Du musst keinen perfekten Text verfassen. Keine Lösung finden. Nichts analysieren.
Nur hinschreiben, was da ist. Was kreist. Was Raum sucht.
Manchmal reichen schon fünf Minuten, um das Karussell anzuhalten. Nicht für immer. Aber für jetzt. Und das ist genug.
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